Mit Hackbrett und Flöte den Kilimandscharo bezwingen
Veröffentlicht am: 12. März 2010
Ein Bericht von Daniel Keller
Vor zehn Jahren habe ich noch intensiv auf meiner Blockflöte gespielt. In einer Neujahrsnacht, ich erinnere mich daran als wäre es gestern gewesen, habe ich mit guten Freunden spontan in einer speziellen Formation – Flöte, „Schwiizerörgeli“ und Geige – traditionelle schweizer Ländlermusik gespielt. Leider haben wir damals keine Ländlerkapelle gegründet und es blieb bei diesem einmaligen Erlebnis.
Seither haben die Schule, die Feuerwehr und der Sport so viel Zeit in Anspruch genommen, dass das Flötenspiel etwas in Vergessenheit geriet. Zum Glück gibt es am MNG Rämibühl in Zürich die Kunst- und Sportabteilung. Serena eine Schülerin aus einer meiner Kunst- und Sportklassen, welche ich für Physik begeistern konnte, hat mich an einen Konzertabend an der Kunsthochschule eingeladen. Es war phantastisch was Serena mit ihrer Altflöte präsentierte. An diesem Abend wurde mir klar, dass ich das Flötenspiel wieder pflegen sollte. Der Beginn meines Urlaubs schien mir dazu bestens geeignet zu sein.
Während den Vorbereitungen im Vorfeld unserer Kilimandscharoexpedition lernte ich Nicolas Senn kennen. Ich war sofort begeistert von seinem hinreissenden Hackbrettspiel. Am gleichen Abend begann ich auf meiner Blockflöte zu trainieren und traf den Entschluss die Flöte auf die Reise zum grossen Berg mitzunehmen. Es schien mir irgendwie klar, dass man den Berg mit Musik bezwingen kann.
Bereits im Flugzeug konnte Nicolas mit seinem Hackbrettspiel die Aufmerksamkeit vom unvorhergesehenen Zwischenfall mit den Landeklappen ablenken und die Passagiere im vorderen Kabinenteil etwas beruhigen. Gleiches versuchte ich etwas weiter hinten. Es war für mich schon ein spezielles Gefühl zum ersten Mal vor so vielen Leuten in einer doch etwas mulmigen Situation gerade mit Ländlermusik ein Ständchen zu bringen. Anscheinend passte die Hintergrundmusik bestens zum Swiss – Alpenrundflug der Extraklasse bei strahlendem Sonnenschein.
Vor der eigentlichen Kilimandscharoexpedition wurden wir in der Dik-Dik-Lodge eingehend darüber aufgeklärt, was am Berg alles passieren könnte. Nach diesem Gespräch kamen bei mir langsam die ersten Zweifel hoch. Ist dieser Berg doch schwieriger zu bezwingen? Stimmt das was man so hört, dass das Besteigen des Kilimandscharos locker machbar sei, doch nicht so ganz? Kurz entschlossen nahm ich meine Flöte setzte mich in den Park und betrieb etwas musikalische Meditation. Das klappte wunderbar und bald setzte sich Nicolas Senn zu mir und wir spielten das erste Mal zusammen. Es ergaben sich spontan die ersten Harmonien.
Am nächsten Tag ging es dann los. Wir bestiegen den voll beladenen Bus und fuhren Richtung Kilimandscharo Gate. Unterwegs während eines kurzen Halts sahen wir zum ersten Mal den Kilimandscharo in den Wolken. Ein phantastischer Anblick. Ich fokussierte den Berg und wusste ab diesem Augenblick, dass ich ihn bezwingen kann.

Während dem Aufstieg musizierten Nicolas und ich öfters. Einmal spielten wir sogar während einer Marschpause oberhalb der Regenwaldzone. Die Träger waren sichtlich begeistert. Bald spielten wir nicht nur auf unseren Instrumenten sondern sangen auch traditionelle Kilimandscharolieder gemeinsam mit den Trägern und Bergführern. Musik war für mich der Schlüssel zum Erfolg. Die Stimmung war dadurch immer sehr gut und locker am Berg.
Nach dem Nachtessen in den Hütten gab es stets gemütliche Jassrunden. Dazu spielten Nicolas und ich gemeinsam einige typische schweizer Ländler. Die Gygeli – Polka wurde zu unserem Lieblingsstück. Dass ich jeweils nach Noten ab Blatt spielte, war für Nicolas kein Problem. Er konnte mich auf Anhieb ohne Probleme begleiten. Das war für uns beide ein tolles Erlebnis. Der spontane Beifall der Hüttengäste und unserer Teamkollegen spornte uns richtig an. Ich hoffe, dass ich bald wieder einmal mit Nicolas spielen darf und dass dieses Erlebnis nicht erneut für zehn Jahr in Vergessenheit gerät. Was mich angeht, spiele ich nun wieder so oft es geht auf meiner Blockflöte, auch wenn das meiner Katze Ciquita momentan noch nicht so gefällt. Mit Musik geht einfach vieles leichter, nicht nur in Afrika! Jambo!
















































